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22.02.2026 Empfehlungen bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen
Die Prävention von rUTI ist ein zentraler Pfeiler der Behandlung und umfasst eine Vielzahl von Ansätzen, die in nicht-antibiotische und antibiotische Maßnahmen unterteilt werden können.
Nicht-antibiotische Präventionsmaßnahmen
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Risiko von rUTI ohne den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren, um die Entwicklung von Resistenzen zu minimieren.
•Verhaltensberatung: Eine ausführliche Beratung der Patientinnen zur Vermeidung von Risikoverhalten ist essenziell . Dazu gehören:
•Erhöhte Flüssigkeitszufuhr: Eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr von >1,5 Litern Wasser pro Tag wird empfohlen, insbesondere bei Personen mit geringer Ausgangsflüssigkeitszufuhr. Dies kann die Häufigkeit von rUTI signifikant reduzieren .
•Hygienemaßnahmen: Obwohl die Evidenzlage für spezifische Hygienemaßnahmen widersprüchlich ist, werden allgemeine Empfehlungen wie das Abwischen von vorne nach hinten nach dem Stuhlgang und die Vermeidung übertriebener Intimhygiene weiterhin gegeben .
•Miktion nach Koitus: Die Empfehlung, nach dem Geschlechtsverkehr zu urinieren, ist in ihrer Wirksamkeit umstritten, wird aber oft als präventive Maßnahme genannt .
•Immunprophylaxe: Die Stärkung des Immunsystems spielt eine zunehmend wichtige Rolle in der Prävention von rUTI.
•OM-89 (Uro-Vaxom): Dieses orale Immunprophylaktikum, bestehend aus bakteriellen Zellwandbestandteilen, wird bei häufig rezidivierender Zystitis nicht-geriatrischen Frauen ohne sonstige Begleiterkrankungen vor Beginn einer antibiotischen Langzeitprävention über drei Monate angeboten . Mehrere systematische Reviews und Metaanalysen belegen seine Wirksamkeit und Sicherheit .
•MV140 (Uromune®): Dieses sublinguale Spray, das hitzeinaktivierte uropathogene Bakterien enthält, zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Reduktion von rUTI-Episoden. Es ist jedoch derzeit in Deutschland nicht verfügbar .
•StroVac®: Dieser parenterale Impfstoff ist zur Langzeitprävention von rUTI zugelassen. Die Evidenzlage ist jedoch heterogen, und eine prospektive Studie zeigte keine statistisch signifikante Reduktion der rUTI-Rate im Vergleich zu Placebo .
•D-Mannose: Die tägliche Einnahme von 2g D-Mannose wird zur Reduktion der Rezidivrate empfohlen . Metaanalysen zeigen eine vergleichbare Wirksamkeit wie eine antibiotische Prophylaxe .
•Cranberry-Produkte: Cranberry-Produkte können empfohlen werden, obwohl die Evidenzlage für ihren Nutzen in der Prävention von rUTI schwach ist und in einigen Studien keine signifikante Verringerung der Infektionsrate gezeigt werden konnte .
•Lokale Östrogenisierung: Bei postmenopausalen Frauen ist die vaginale Östrogenisierung eine stark empfohlene Maßnahme zur Prävention von rUTI .
•Phytotherapie: Pflanzliche Präparate wie Canephron N (BNO 1045) werden als alternative Therapieoptionen diskutiert, insbesondere bei akuten Episoden. Studien deuten auf eine Nicht-Unterlegenheit gegenüber Antibiotika hin .
•Methenaminhippurat: Dieses Präparat kann zur Reduktion von Zystitis-Episoden bei Frauen ohne Nierenfunktionsstörungen eingesetzt werden. Es ist jedoch in Deutschland derzeit nicht verfügbar .
2.2. Antibiotische Präventionsmaßnahmen
Antibiotische Präventionsmaßnahmen sollten erst nach Ausschöpfung nicht-antibiotischer Strategien in Betracht gezogen werden, um die Resistenzentwicklung zu minimieren .
•Kontinuierliche Langzeitprophylaxe: Hierbei werden niedrig dosierte Antibiotika über einen längeren Zeitraum eingenommen. Gängige Substanzen sind Nitrofurantoin (50-100 mg täglich), Fosfomycin (3g alle 7-10 Tage) und Trimethoprim (50-100 mg täglich) .
•Postkoitale Prophylaxe: Bei Frauen, deren rUTI mit sexuellem Kontakt assoziiert sind, kann eine Einzeldosis eines Antibiotikums nach dem Geschlechtsverkehr erwogen werden .
AWMF S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI). Version 3.0, Stand 09.04.2024. Verfügbar unter:
[2] EAU Guidelines on Urological Infections. Summary of Changes 2025. Verfügbar unter:
01.09.2025: Aktuelle Datenlage zur Behandlung des Urothelkarzinoms
Stand August 2025 prägen sechs Entwicklungen das Management des Urothelkarzinoms (UC). Erstens hat die Kombination aus Enfortumab-Vedotin und Pembrolizumab (EV+P) in der Phase-III-Studie EV-302 das Gesamt- und progressionsfreie Überleben gegenüber Platin-Chemotherapie verbessert; europäische Leitlinien (ESMO) empfehlen EV+P inzwischen als bevorzugte Erstlinientherapie – unabhängig von der Platin-Eignung. Typische Toxizitäten sind Hautreaktionen, periphere Neuropathie und Hyperglykämie. PubMedAnnals of Oncology
Zweitens konsolidiert sich die perioperative Immuntherapie: In CheckMate-274 verlängerte adjuvantes Nivolumab nach Zystektomie krankheitsfreies und (mit längerer Nachbeobachtung) auch Gesamtüberleben, sodass es sich bei Hochrisiko-MIBC als Standard etabliert hat. ASC Publications
Drittens rückt Biomarker-gesteuerte Therapie weiter in den Vordergrund. Bei FGFR2/3-alterierten metastasierten Tumoren verbesserte der FGFR-Inhibitor Erdafitinib das Gesamtüberleben gegenüber Chemotherapie nach vorangegangener PD-(L)1-Therapie (Phase III, THOR). PubMed
Viertens hat sich das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Feld neu sortiert: Die US-Zulassung von Sacituzumab Govitecan für vorbehandelte UC-Patient:innen wurde 2024 mangels bestätigender Wirksamkeit zurückgezogen; EV+P bleibt das ADC-basierte Rückgrat. U.S. Food and Drug Administration
Fünftens zeichnet sich ein Paradigmenwechsel zu MRD-gesteuerter Adjuvanz ab: Die randomisierte Phase-III-Studie IMvigor011 zeigte, dass ctDNA-positive Patient:innen nach Zystektomie von adjuvantem Atezolizumab in Bezug auf DFS und OS profitieren, während ctDNA-negative überwacht werden können. OncLive
Sechstens erweitern bei BCG-unansprechender, nicht-muskelinvasiver Erkrankung systemische und intravesikale Immunstrategien die Optionen; Pembrolizumab erzielte in KEYNOTE-057 relevante Komplettremissionen mit anhaltenden Antworten. Explorativ scheint das EV+P-Ansprechen unabhängig von Nectin-4-Expression, Biomarker-Forschung bleibt zentral. PubMedUroToday
Klinische Quintessenz: EV+P ist neuer Erstlinien-Standard beim fortgeschrittenen UC; adjuvantes Nivolumab gehört bei Hochrisiko-MIBC zur Routine; Erdafitinib ist für FGFR-alterierte Tumoren eine wirksame Option; Sacituzumab spielt aktuell keine Rolle mehr; und MRD-Stratifizierung mittels ctDNA dürfte die Nachsorge und Adjuvanz zunehmend personalisieren.
03.06.2025: Aktuelle Datenlage zur Behandlung des Low risk Prostatakarzinoms
Indikation zur Behandlung eines Prostatakarzinoms low risk: Aktuelle Leitlinien -Kurzzusammenfassung
Das Low-Risk-Prostatakarzinom ist definiert durch PSA ≤10 ng/ml, Gleason-Score 6 (ISUP Grad 1) und klinisches Stadium T1c-T2a. Diese Definition wird einheitlich von allen aktuellen Leitlinien (EAU 2025, AUA/ASTRO 2022, DGU 2024) verwendet.
Die primäre Therapieempfehlung aller Leitlinien ist Active Surveillance (Aktive Überwachung). Diese Empfehlung basiert auf hochwertiger Evidenz, insbesondere der ProtecT-Studie und Kohortenstudien, die niedrige Raten von Metastasen (<1,5%) und prostatakrebsspezifischer Mortalität zeigen. Aktuelle Studien aus 2024 bestätigen, dass Active Surveillance keine ungünstigen Outcomes verursacht.
Das Überwachungsprotokoll umfasst regelmäßige PSA-Kontrollen, Wiederholungsbiopsien und zunehmend mpMRT-Bildgebung.
Alternative Therapieoptionen, wenn Active Surveillance nicht gewünscht oder indiziert ist:
- Radikale Prostatektomie (ohne Lymphadenektomie)
- Strahlentherapie (insbesondere LDR-Brachytherapie)
- Fokale Therapie (bei spezifischen Voraussetzungen)
Die DGU S3-Leitlinie 2024 erweitert die Indikation für Active Surveillance auf bestimmte Patienten mit ISUP Gruppe 2 (Gleason 3+4=7a) mit günstigem Risikoprofil (kein cribriformes/intraduktales Wachstum, Gleason-Muster 4 <10%).
Die Therapieentscheidung wird von Patientenfaktoren (Alter, Komorbiditäten, Präferenzen), Tumorfaktoren (PSA-Kinetik, Tumorlast) und Arztfaktoren beeinflusst.
Zusammenfassend hat sich die Indikation zur Behandlung eines Low-Risk-Prostatakarzinoms grundlegend gewandelt: von sofortiger definitiver Therapie hin zu überwachendem Ansatz mit dem Ziel, Überbehandlung zu vermeiden.
Ausführliche Informationen & Datenlage
Ausführliche Zusammenfassung
02.05.2025: Optimum Studie - Neue Ergebnisse zur Prostatabiopsie
Zusammenfassung als Grafik- Hier klicken
Kinnaird A, Luger F, Cash H, Ghai S, Urdaneta-Salegui LF, Pavlovich CP, Brito J, Shore ND, Struck JP, Schostak M, Harland N, Rodriguez-Socarrás M, Brisbane WG, Lughezzani G, Toledano H, Ouertani MS, Macek P, Fung C, Tu W, Gusenleitner A, Günzel K, Incze PF, George AK, Pereira JG, Jansen R, Renzulli J 2nd, Klotz L; OPTIMUM Investigators. Microultrasonography-Guided vs MRI-Guided Biopsy for Prostate Cancer Diagnosis: The OPTIMUM Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025 Mar 23:e253579. doi: 10.1001/jama.2025.3579. Epub ahead of print. PMID: 40121537; PMCID: PMC11931425.
Die OPTIMUM-Studie (Optimization of Prostate Biopsy – Micro-Ultrasound versus MRI) war eine internationale, multizentrische, randomisierte klinische Phase-III-Studie, die den diagnostischen Nutzen von hochauflösender Mikroultraschall- (microUS) im Vergleich zur etablierten multiparametrischen MRT-gestützten Fusionsbiopsie zur Erkennung klinisch signifikanter Prostatakarzinome (Gleason-Gruppe ≥2) untersuchte. Sie wurde zwischen Dezember 2021 und September 2024 an 20 Zentren in acht Ländern durchgeführt und umfasste 802 Männer mit Verdacht auf Prostatakrebs, die zuvor keine Biopsie erhalten hatten.
Studiendesign und Gruppen
Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 1:2:3 auf drei Gruppen verteilt:
- microUS-Biopsie ohne MRT (n = 121)
- microUS/MRT-Fusionsbiopsie (n = 226), wobei die microUS-Biopsie vor der MRT-Entblindung durchgeführt wurde
- MRT/conventionelle Ultraschall-Fusionsbiopsie (n = 331)
Alle Patienten erhielten zusätzlich eine systematische Standardbiopsie.
Primärer Endpunkt
Der primäre Endpunkt war der Vergleich der Detektionsrate klinisch signifikanter Karzinome (Gleason ≥2) zwischen microUS und MRT/Fusionsbiopsie, inklusive systematischer Proben. Die Studie war als Nichtunterlegenheitsstudie konzipiert mit einer Nichtunterlegenheitsgrenze von 10 %.
Ergebnisse
Die Detektionsraten klinisch signifikanter Karzinome lagen bei:
- 47,1 % in der microUS-Gruppe
- 42,6 % in der MRT/Fusionsbiopsie-Gruppe
- 46,9 % in der microUS/MRT-Gruppe
Die Differenz von 3,52 % (95 %-KI: –3,95 % bis 10,92 %) zwischen microUS und MRT lag innerhalb der definierten Nichtunterlegenheitsgrenze (p < 0,001), womit microUS nicht unterlegen war. Auch die Kombination microUS/MRT war nicht unterlegen (Differenz: 4,29 %, 95 %-KI: –4,06 % bis 12,63 %).
Zudem gab es keine signifikanten Unterschiede bei der Rate der durch zielgerichtete Biopsien (ohne systematische Proben) entdeckten Tumoren:
- microUS: 38 %
- MRT: 34,1 %
- microUS/MRT: 40,3 %
Vorteile der Mikroultraschalltechnik
microUS bietet eine deutlich höhere Auflösung (70 Mikrometer) als konventioneller Ultraschall, erlaubt Echtzeitbildgebung und vermeidet Registrierungsfehler, die bei der MRT-Fusion auftreten können. Es ist direkt am Patientenbett einsetzbar, erfordert keine Kontrastmittelgabe und ist zugänglicher als MRT, besonders in Regionen mit begrenzter Infrastruktur oder bei Patienten mit Kontraindikationen für MRT.
Schlussfolgerung
Die OPTIMUM-Studie zeigt, dass microUS eine nicht unterlegene Alternative zur MRT-gestützten Fusionsbiopsie bei der Erstdiagnostik des Prostatakarzinoms darstellt. Sie könnte insbesondere in Situationen mit eingeschränktem MRT-Zugang oder bei Patienten mit Kontraindikationen zur MRT eine wertvolle Ergänzung oder gar Ersatz sein. Weitere Studien sind nötig, um den Einsatz in anderen klinischen Szenarien (z. B. aktive Überwachung, Rezidivdiagnostik) zu untersuchen.
Möchtest du zusätzlich eine Infografik zur Veranschaulichung der Ergebnisse
28.01.2025: "Magnetfeldtherapie - Neue Daten:
Braga A, Castronovo F, Caccia G, Papadia A, Regusci L, Torella M, Salvatore S, Scancarello C, Ghezzi F, Serati M. Efficacy of 3 Tesla Functional Magnetic Stimulation for the Treatment of Female Urinary Incontinence. J Clin Med. 2022 May 16;11(10):2805. doi: 10.3390/jcm11102805. PMID: 35628930; PMCID: PMC9145499.
Die Studie untersucht die Wirksamkeit einer funktionellen Magnetstimulation (FMS) mit einem 3-Tesla-Stuhl bei der Behandlung weiblicher Harninkontinenz, einschließlich Belastungsinkontinenz (SUI) und überaktiver Blase (OAB). Es handelt sich um eine prospektive Studie mit 100 Patientinnen (60 mit SUI und 40 mit OAB), die zwischen Januar 2020 und September 2021 durchgeführt wurde. Die Patientinnen erhielten über acht Wochen zweimal wöchentlich 20-minütige Behandlungen.
Der FMS-Stuhl basiert auf Faradays Gesetz der magnetischen Induktion, das durch ein variierendes Magnetfeld elektrische Aktivität erzeugt. Dies führt zu Muskelkontraktionen und einer Neuromodulation der sakralen Nerven (S2-S4). Ziel ist es, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die Symptome der Harninkontinenz zu lindern.
Die Ergebnisse zeigen, dass 47 % der SUI-Patientinnen und 50 % der OAB-Patientinnen nach der Behandlung als geheilt galten. Berücksichtigt man auch Verbesserungen, stieg die Erfolgsrate auf 68,3 % bei SUI und 70 % bei OAB. Es gab signifikante Verbesserungen bei Fragebögen zur Lebensqualität und zu Beschwerden vor und nach der Behandlung. Es traten keine Nebenwirkungen auf, und die Patientenzufriedenheit war hoch.
Die Studie hebt hervor, dass der 3-Tesla-FMS-Stuhl eine vielversprechende, schmerzfreie und nicht-invasive Behandlungsmethode darstellt, insbesondere für ältere Patientinnen. Die Autoren empfehlen jedoch weitere Forschung, um die Ergebnisse zu validieren, da die Studie eine relativ kleine Stichprobengröße und keine Kontrollgruppe hatte. Insgesamt zeigt die FMS eine hohe Effektivität und Akzeptanz bei der Behandlung von Harninkontinenz.
20.01.2025: "Moderne Hormontherapie beim Hormonsensitivem Prostatakarzinom"
Die Studien TITAN, LATITUDE, ARCHES, PEACE-1 & ARASENS untersuchten innovative Therapieansätze für Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs (mHSPC), wobei der Fokus auf der Kombination von androgenentziehender Therapie (ADT) mit neueren Medikamenten liegt.
TITAN-Studie:
TITAN analysierte den Effekt von Apalutamid, einem Androgenrezeptor-Inhibitor, in Kombination mit ADT. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (PFS) und des Gesamtüberlebens (OS) im Vergleich zur alleinigen ADT. Apalutamid reduzierte das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod deutlich, mit einem akzeptablen Sicherheitsprofil.
LATITUDE-Studie:
LATITUDE bewertete die Kombination von Abirateronacetat und Prednison mit ADT bei Hochrisikopatienten. Diese Therapie führte zu einer signifikanten Verlängerung des OS und PFS. Abirateron unterdrückte die Androgenproduktion effektiver, was zu einer besseren Tumorkontrolle führte. Nebenwirkungen wie Hypertonie und Hypokaliämie traten jedoch häufiger auf.
ARCHES-Studie:
ARCHES untersuchte die Wirkung von Enzalutamid, einem weiteren Androgenrezeptor-Inhibitor, in Kombination mit ADT. Auch hier wurde eine deutliche Verlängerung des radiographisch progressionsfreien Überlebens (rPFS) beobachtet. Enzalutamid zeigte ein breites Wirksamkeitsspektrum und war sowohl bei Hochrisiko- als auch bei Niedrigrisiko-mHSPC-Patienten effektiv.
PEACE-1-Studie:
PEACE-1 evaluierte die Wirkung von Abirateronacetat in Kombination mit ADT und einer Docetaxel-basierten Chemotherapie. Die Ergebnisse zeigten, dass die Hinzunahme von Abirateron das radiologische progressionsfreie Überleben (rPFS) und das Gesamtüberleben (OS) signifikant verlängert. Besonders Patienten mit hohem Tumorvolumen profitierten von dieser dreifachen Therapie, die zu einer verbesserten Tumorkontrolle führte. Diese Studie unterstreicht den Vorteil einer intensiveren Behandlung durch eine Kombinationstherapie.
ARASENS-Studie:
ARASENS untersuchte die Kombination von Darolutamid, einem Androgenrezeptor-Inhibitor, mit ADT und Docetaxel. Die Ergebnisse zeigten ebenfalls eine signifikante Verbesserung des OS und eine Reduktion des Mortalitätsrisikos. Darolutamid zeichnete sich durch ein günstiges Sicherheitsprofil aus, da die Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Inhibitoren geringer ausfielen. Die dreifache Therapie führte zu einer robusten Reduktion der Krankheitsprogression und einer verbesserten Lebensqualität.
Beide Studien belegen, dass eine intensivierte, multidimensionale Therapie durch die Kombination von ADT, Chemotherapie und neuen Medikamenten wie Abirateron oder Darolutamid das Überleben von mHSPC-Patienten erheblich verlängert. Sie setzen neue Standards in der Behandlung, insbesondere für Hochrisikopatienten, und unterstreichen die Bedeutung individualisierter Therapiekonzepte, um eine bessere Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit zu erreichen
.
Insgesamt bestätigen die Studien die Vorteile der Kombinationstherapie gegenüber der alleinigen ADT. Die neuen Wirkstoffe verbessern das Überleben und die Lebensqualität, obwohl Nebenwirkungen berücksichtigt werden müssen. Diese Ergebnisse haben die Behandlungsstandards für mHSPC grundlegend verändert und die personalisierte Therapie vorangetrieben.
19.11.2024: "Neue Meta-Analyse zum Thema transrektale Untersuchung"
kihiro Matsukawa, Takafumi Yanagisawa, Kensuke Bekku, Mehdi Kardoust Parizi, Ekaterina Laukhtina, Jakob Klemm, Sever Chiujdea, Keiichiro Mori, Shoji Kimura, Tamas Fazekas, Marcin Miszczyk, Jun Miki, Takahiro Kimura, Pierre I. Karakiewicz, Pawel Rajwa, Shahrokh F. Shariat,
Comparing the Performance of Digital Rectal Examination and Prostate-specific Antigen as a Screening Test for Prostate Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis,
European Urology Oncology,
Volume 7, Issue 4,
2024,
Pages 697-704,
ISSN 2588-9311,
https://doi.org/10.1016/j.euo.2023.12.005.
Die Publikation vergleicht die diagnostische Leistung der digitalen rektalen Untersuchung (DRE) und des prostataspezifischen Antigens (PSA) als Screening-Methoden für Prostatakrebs (PCa). Eine systematische Überprüfung und Meta-Analyse von acht Studien mit 85.798 Teilnehmern wurde durchgeführt, darunter randomisierte kontrollierte Studien und prospektive diagnostische Untersuchungen. Die zentralen Kennzahlen waren der positive prädiktive Wert (PPV) und die Krebsnachweisrate (CDR).
Die Ergebnisse zeigen, dass der PPV für DRE und PSA ähnlich ist (jeweils 21 % und 22 %), aber die CDR von DRE signifikant niedriger ist als die von PSA (1 % vs. 3 %). Die Kombination von DRE und PSA erhöhte weder den PPV noch die CDR im Vergleich zu PSA allein. Insgesamt identifizierten beide Methoden klinisch signifikante Prostatakarzinome nur bei einem kleinen Anteil der getesteten Männer.
Die Autoren schlussfolgern, dass DRE als Screening-Methode für PCa eine begrenzte diagnostische Rolle spielt und möglicherweise aus den Routine-Screening-Strategien ausgeschlossen werden könnte, insbesondere in asymptomatischen Populationen. Stattdessen könnten PSA-Tests in Kombination mit fortschrittlicher Bildgebung wie MRI effizientere und präzisere Screening-Ansätze darstellen.
Die Studie hebt die Herausforderungen der DRE hervor, einschließlich ihrer subjektiven Natur, der Inkonsistenz zwischen Untersuchern und der geringeren Akzeptanz bei Patienten aufgrund von Unannehmlichkeiten. Die Autoren schlagen vor, dass ein ausschließlich auf PSA basierender Ansatz mit gezielten MRI-Untersuchungen eine vielversprechendere Alternative darstellen könnte.
Schlußfolgernd kann man zusammenfassen dass nicht jeder Patient eine DRE benötigt
03.07.2024: "Die 10 häufigsten Fragen an einen Urologen/in
Hier sind die 10 häufigsten Fragen an einen Urologen mit kurzen Antworten:
- Wie häufig sollte ich zur Vorsorgeuntersuchung kommen?
- Männer über 50 Jahre sollten einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Bei familiärem Risiko schon früher.
- Was sind die Symptome einer Prostatavergrößerung?
- Häufiges Wasserlassen, schwacher Urinstrahl, Nachtröpfeln, nächtlicher Harndrang.
- Was verursacht Harnwegsinfektionen und wie kann man sie verhindern?
- Bakterien, die in die Harnröhre gelangen. Vermeidung durch gute Hygiene und ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
- Welche Symptome deuten auf Nierensteine hin?
- Starke Schmerzen im unteren Rücken oder Bauch, Blut im Urin, Übelkeit und Erbrechen.
- Wie wird eine erektile Dysfunktion behandelt?
- Medikamente, Hormontherapie, Vakuumpumpen, chirurgische Eingriffe oder Psychotherapie.
- Was sind die Anzeichen für Blasenkrebs?
- Blut im Urin, häufiges Wasserlassen, Schmerzen beim Urinieren.
- Wie kann ich Inkontinenz verhindern oder behandeln?
- Beckenbodentraining, Medikamente, Änderungen im Lebensstil und ggf. chirurgische Eingriffe.
- Was sind häufige Ursachen für Blut im Urin?
- Infektionen, Nierensteine, Blasenkrebs, Prostataprobleme oder Verletzungen.
- Wie kann ich Prostatakrebs vorbeugen?
- Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, nicht rauchen, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.
- Welche Maßnahmen helfen bei häufigem Wasserlassen?
- Flüssigkeitsaufnahme überwachen, Blasentraining, Koffein und Alkohol reduzieren, Medikamente nach Absprache mit dem Arzt.
Diese Antworten bieten eine erste Orientierung. Für individuelle Beratung und Behandlung ist ein Besuch beim Urologen unerlässlich.
2.6.2023: „BPH gutartige Vergrößerung der Prostata“
Die gutartige Vergrößerung der Prostata, auch als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet, ist ein häufiges urologisches Problem, das vor allem bei älteren Männern auftritt. Die Prostata ist eine kleine drüsenartige Struktur, die sich unterhalb der Harnblase befindet und um die Harnröhre herum angeordnet ist. Ihre Hauptfunktion besteht darin, eine Flüssigkeit zu produzieren, die Teil des Samens ist.
Mit zunehmendem Alter kommt es bei vielen Männern zu einer Vergrößerung der Prostata. Die genaue Ursache für diese Vergrößerung ist nicht vollständig bekannt, aber es wird angenommen, dass Hormonveränderungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron, eine Rolle spielen. Es wird angenommen, dass das Enzym 5-alpha-Reduktase und das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) bei der Entwicklung der BPH eine Rolle spielen. Es ist so, dass DHT das Wachstum der Prostatazellen stimuliert und zu einer Vergrößerung der Drüse führt.
Die Vergrößerung der Prostata kann zu einer Kompression der Harnröhre führen, die durch die Prostata verläuft. Dadurch wird der Urinfluss behindert, was zu einer Reihe von Symptomen führen kann. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Häufiges Wasserlassen: Männer mit BPH haben oft den Drang, häufiger zu urinieren. Dies kann auch nachts auftreten und den Schlaf stören.
- Schwacher Harnstrahl: Der Harnstrahl kann schwach und unregelmäßig sein, was zu einer längeren Zeit beim Wasserlassen führt.
- Probleme beim Starten und Stoppen des Harnflusses: Es kann schwierig sein, den Harnfluss zu beginnen oder zu stoppen.
- Nachträufeln: Nach dem Wasserlassen kann noch Urin in der Blase verbleiben, der später nachtropft.
- Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung: Manche Männer haben das Gefühl, dass die Blase nicht vollständig entleert wurde, selbst nach dem Wasserlassen.
Die Symptome der BPH können die Lebensqualität beeinträchtigen und zu Unbehagen und Unannehmlichkeiten führen. Es ist wichtig zu beachten, dass BPH nicht mit Prostatakrebs gleichgesetzt werden sollte. BPH ist eine gutartige Erkrankung, während Prostatakrebs eine bösartige Erkrankung ist. Dennoch können sich einige Symptome von BPH und Prostatakrebs ähneln. Daher ist es wichtig, bei auftretenden Symptomen einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten.
Die Diagnose von BPH erfolgt in der Regel anhand einer Kombination aus Patientengeschichte, körperlicher Untersuchung und spezifischer Tests. Dazu gehören eine digitale rektale Untersuchung (DRU), bei der der Arzt die Größe und Konsistenz der Prostata überprüft, sowie ein Bluttest zur Bestimmung des PSA Wertes
08.05.2023: "Vasektomie erklärt":
Eine Vasektomie ist ein chirurgischer Eingriff, der bei Männern durchgeführt wird, um eine dauerhafte Unfruchtbarkeit zu erreichen. Es ist eine sehr effektive Methode der Empfängnisverhütung, bei der die Spermien aus den Samenflüssigkeit entfernt werden, die während des Orgasmus ausgestoßen wird. Der Eingriff ist relativ einfach und sicher und wird normalerweise ambulant durchgeführt.
Während des Eingriffs werden kleine Schnitte in den Hodensack gemacht, um Zugang zu den Samenleitern zu erhalten.
Die Samenleiter sind die Kanälchen, die das Sperma aus den Hoden transportieren
und in die Samenflüssigkeit mischen. Die Samenleiter werden dann durchtrennt
und die Enden werden verschlossen oder versiegelt, um zu verhindern, dass
Spermien in die Samenflüssigkeit gelangen. Der Eingriff dauert normalerweise
etwa 30 Minuten und erfordert nur eine lokale Betäubung.
Die meisten Männer können innerhalb weniger Tage nach dem Eingriff wieder normal arbeiten und Aktivitäten ausüben. Es ist jedoch wichtig, für mindestens drei Monate nach dem Eingriff auf ungeschützte sexuelle Aktivitäten zu verzichten, um sicherzustellen, dass alle Spermienvollständig abgebaut sind.
Eine Vasektomie bietet viele Vorteile gegenüber anderen Methoden der Empfängnisverhütung. Es ist eine dauerhafte Lösung, die keine tägliche Einnahme von Medikamenten oder die Verwendung von Barrieremethoden erfordert. Es ist auch sehr effektiv, wobei nur sehr selten Fälle von Versagen berichtet werden.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine Vasektomie eine irreversible Entscheidung ist. Obwohl es theoretisch möglich ist, die Samenleiter wieder zu verbinden oder andere Methoden zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit zu verwenden, sind diese Verfahren nicht
immer erfolgreich und können teuer und invasiv sein.
Darüber hinaus sollte eine Vasektomie nur von Männern in Betracht gezogen werden, die sicher sind, dass sie keine Kinder mehr wollen. Obwohl es selten vorkommt, können sich Meinungen im Laufe der Zeit
ändern und es ist wichtig, dass Männer sich der endgültigen Natur des Eingriffs
bewusst sind, bevor sie sich dafür entscheiden.
Insgesamt ist eine Vasektomie eine sichere und effektive Methode zur Empfängnisverhütung für Männer, die sicher sind, dass sie keine Kinder mehr wollen. Es ist jedoch wichtig, dass Männer alle Fakten verstehen und eine fundierte Entscheidung treffen, bevor sie sich für den
Eingriff entscheiden.
Ihr PD Dr Thomas Kunit